08.09.18 CSD Halle(Saale) Demonstration 08.09.2018, 11 Uhr

CSD Halle(Saale) Demonstration 08.09.2018, 11 Uhr

08.09.18 CSD Halle(Saale) Demonstration 08.09.2018, 11 Uhr
Quelle: Facebook Page

Termin

08.09.18 von: 11:00 Uhr bis: 13:00 Uhr

Event Ort

Kategorie: CSD/Begegnung/Beratung und Hilfe

AIDS-Hilfe Halle , Sachsen-Anhalt Süd e.V.

Beschreibung

CSD-Demo Halle: Community, Solidarity, Diversity

08.09.2018, 11 Uhr bis 13 Uhr

Gehostet wird die Veranstaltung von Bewegungstunte K. Schrapnell, um die notwendigen Beats zum Feiern kümmern sich Stella Galaxy.
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Seit fast 50 Jahren finden, von den USA ausgehend, weltweit von Juni an „Christopher Street Day“- oder „Pride“-Veranstaltungen statt. Der Name „Christopher Street Day“ bezieht sich auf eine Straße in New York, in der sich 1969 Drag Queens, trans Frauen, Schwule und Lesben gegen Polizeigewalt im Stonewall Inn zur Wehr setzten. Lesbische, schwule, bisexuelle, trans und inter Menschen wie die Organisator_innen dieser Demo gehen seitdem einmal im Jahr auf die Straße, um sowohl für Akzeptanz zu kämpfen, als auch um sich selbst und die Fortschritte, die wir gemacht haben, zu feiern.

Auch wir in Halle wollen dieses Jahr mit einer Demo unseren Wunsch nach einer besseren Gesellschaft auf die Straße tragen. Für diese bessere Gesellschaft braucht es unserer Meinung nach vor allem drei Dinge: Community, Solidarity, Diversity – Gemeinschaft, Solidarität und Vielfalt.

Denn trotz des Erreichten gibt es noch allerhand zu tun. Das Leben als schwule, lesbische, bisexuelle oder trans Person ist auch in Deutschland immer noch nicht leicht. Stigmatisierung und Ausgrenzung prägen immer noch das Leben von sogenannten „queeren“ Personen. Der Großteil der Gesellschaft behandelt lesbische, schwule, bisexuelle, trans und inter Menschen immer noch, als wären wir abnormal. Viele von uns internalisieren das. Deshalb ist „Community“, Gemeinschaft, so wichtig für uns. Andere Menschen kennen zu lernen, die ähnliche Erfahrungen machen, hilft, sich nicht mehr als abnormal oder anders zu begreifen. Es war kein Zufall, dass der Aufstand im Stonewall Inn aus einer Gruppe heraus entstand: Zusammenhalt ist das, was uns in einer Welt, in wir ausgegrenzt werden, Kraft und Hoffnung gibt.

Neben alltäglichen Anfeindungen laufen wir Gefahr, die Rechte und Freiheiten, die erkämpft wurden, wieder zu verlieren. Der Anschlag auf den Pulse Club in Orlando, einer der tödlichsten Anschläge in den USA, geschah aus islamistischem Hass auf die sexuelle Emanzipation. Sowohl in europäischen Ländern wie Polen als auch in politisch vom Islam geprägten Ländern wie der Türkei sind LSBTIQ-Personen massiven Hetzkampagnen von staatlicher Seite ausgesetzt. Und auch in Deutschland sind mittlerweile die Rechte der Menschen, die nicht in ein patriarchales, cisheteronormatives Weltbild passen, bedroht. Mit dem Erstarken der AfD erlangen die Homophobie und Transphobie der sogenannten "Neuen Rechten" nun auch einen parlamentarischen Arm. Gleichzeitig steigt die Zahl an körperlichen Angriffen auf LSBTIQ-Personen wieder.

Diesen Bedrohungen können wir uns nicht alleine entgegen stellen, und das konnten wir noch nie. Die Dekriminalisierung von gleichgeschlechtlichem Sex, die Ehe für alle und Projekte wie der „Medienkoffer Geschlechtervielfalt“ des Landes wären nie möglich gewesen, wenn sich nicht auch heterosexuelle Menschen dafür eingesetzt hätten. Wir alle lernen bereits im Kindergarten, dass man sich gegen Ungerechtigkeit stark machen muss, auch wenn sie einen nicht selbst betrifft. Nichts anderes bedeutet es letzten Endes, solidarisch miteinander zu sein – auch wenn die Gesellschaft, in der wir gerade leben, diese Lektion nicht mehr besonders wert zu schätzen scheint. Aber Solidarität bleibt eine grundlegende Notwendigkeit, wenn wir eine Welt wollen, in der irgendwann alle ohne Angst vor Gewalt leben können.

Aber Solidarität und Gemeinschaft können nicht funktionieren, wenn wir nicht anerkennen, dass wir trotz aller Gemeinsamkeiten Individuen sind. Dass quasi alle lesbischen, schwulen, bi, trans oder inter Personen die Erfahrung gemacht haben, aufgrund ihrer Sexualität und ihres Geschlechts als „anders“ zu gelten, bedeutet nicht, dass wir alle die gleichen Erfahrungen machen. Dass wir aufgrund dieser Andersartigkeit ausgegrenzt wurden und werden, bedeutet nicht, dass wir alle deshalb die gleichen Bedürfnisse haben.

Alter, Klasse, Hautfarbe, Religion, Migrationsstatus, Geschlecht und ob wir cis oder trans sind prägen, was wir als Prioritäten im Kampf für ein befreites, schönes Leben erachten. Das führt natürlich zu Konflikten, aber es ist nichts automatisch Negatives: Widerspruch und Streit ist wahrscheinlich einer der besten Wege, sich weiterzuentwickeln. So wichtig Community, Gemeinschaft, für uns auch ist: diese Wichtigkeit darf nicht dazu führen, dass wir die Unterschiede ignorieren oder versuchen, Streit zu unterdrücken. Diversity, Vielfalt, und Akzeptanz ebendieser dürfen wir nicht nur von der Gesamtgesellschaft fordern, sondern müssen wir auch miteinander leben.

Wir wollen eine bessere Welt nicht nur für schwule, lesbische, bisexuelle, trans, inter und queere Menschen. Wir wollen ein schönes, selbstbestimmtes, freies Leben. Wir wollen sein, lieben, tanzen, lachen, uns kleiden, ficken und leben können ohne Angst vor Angriffen und Anfeindungen. Wir wollen eine Welt ohne Unterdrückung, Ausbeutung und Ausgrenzung. All das wollen wir nicht nur für uns selbst, sondern für alle. Heute jedoch, in Gedenken an die mutigen Menschen, die vor 49 Jahren auf die Straße gegangen sind, wollen wir unsere Forderungen ins Zentrum stellen. Wir wollen leben können, wie wir sind – und deshalb brauchen wir Gemeinschaft, Solidarität und Vielfalt!

hinzugefügt am: 09.08.18 16:34