Jerusalem ist eine Stadt mit sehr unterschiedlichen Lebenswelten, und das prägt auch das queere Leben hier. Eine Szene mit eigenem Viertel, Bars und Saunen wie in Tel Aviv gibt es nicht. Die einzige offen schwule Bar der Stadt, das Video Pub im Russian Compound, hat inzwischen geschlossen.
Der wichtigste Ort für die Community ist das Jerusalem Open House for Pride and Tolerance. Das Gemeinschaftszentrum besteht seit den 1990er-Jahren, bietet Beratung, Gruppen und Veranstaltungen an und organisiert jedes Jahr den Jerusalem Pride. Wer neu in der Stadt ist oder Kontakte sucht, ist hier am besten aufgehoben.
Ausgehen funktioniert in gemischten Lokalen. Der frühere Betreiber des Video Pub führt in der Innenstadt die Bars HaTaklit und The Cassette, die er ausdrücklich als offen für alle beschreibt. Im Nocturno, einem Restaurant mit Veranstaltungsraum im Zentrum, tritt regelmäßig die einzige Drag-Truppe der Stadt auf. Dazu kommen queere Partyreihen in wechselnden Lokalen, die meist nur monatlich stattfinden.
Im Alltag lohnt etwas Gespür für die Umgebung. In der Innenstadt und in den säkular geprägten Vierteln fallen gleichgeschlechtliche Paare kaum auf. In ultraorthodoxen Vierteln wie Mea Shearim gelten strenge Kleidungs- und Verhaltensregeln, dort ist Zurückhaltung angebracht.
Für ein umfangreiches Nachtleben mit queeren Bars und Clubs fahren viele nach Tel Aviv, mit dem Zug in weniger als einer Stunde erreichbar. Jerusalem selbst ist eher ein Ziel für Geschichte und Kultur, mit einer kleinen queeren Community, die sich vor allem rund um das Open House trifft.