Seit dem weltweiten Mpox-Ausbruch 2022 gibt es eine Impfung, die vor allem für schwule und bisexuelle Männer mit wechselnden Partnern empfohlen wird. Wer sich impfen lassen sollte, wie der Ablauf ist und wo die Kostenübernahme in Deutschland noch hakt – ein Überblick zum aktuellen Stand.
2022 verbreitete sich Mpox, damals meist noch „Affenpocken" genannt, weltweit vor allem über sexuelle Netzwerke von Männern, die Sex mit Männern haben. Seitdem gibt es einen zugelassenen Impfstoff und eine offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) – für viele in der Community aber immer noch zu wenig bekannt.
Wer sollte sich impfen lassen?
Die STIKO empfiehlt die Mpox-Impfung als Indikationsimpfung für Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko. Dazu zählen konkret Männer sowie trans und nicht-binäre Personen, die Sex mit Männern haben und häufiger die Partner wechseln, außerdem Sexarbeitende und Menschen, die beruflich mit dem Mpox-Virus in Kontakt kommen können, etwa in spezialisierten Laboren. Wer sich unsicher ist, ob die eigene Situation dazuzählt, bekommt in HIV-Schwerpunktpraxen, Aidshilfe-Beratungsstellen oder beim Gesundheitsamt eine Einschätzung.
Daneben gibt es die Postexpositionsprophylaxe: Wer nach engem Kontakt mit einer erkrankten Person noch keine Symptome zeigt, kann sich innerhalb von bis zu 14 Tagen nach der Exposition impfen lassen. Am wirksamsten ist die Impfung, wenn sie innerhalb der ersten vier Tage erfolgt.
Wie läuft die Impfung ab?
Verwendet wird der Impfstoff Imvanex (auch als MVA-BN oder unter dem Namen Jynneos bekannt), der seit Juli 2022 in der EU für Mpox zugelassen ist. Wer noch nie gegen Pocken geimpft wurde, bekommt zwei Dosen im Abstand von mindestens 28 Tagen, unter die Haut gespritzt. Schon die erste Dosis bietet einen brauchbaren Basisschutz, die zweite verlängert ihn deutlich. Wer als Kind noch gegen die klassischen Pocken geimpft wurde – in Deutschland war das bis in die frühen 1970er-Jahre üblich – benötigt in der Regel nur eine Auffrischungsdosis. In Studien lag die Schutzwirkung bei rund 76 Prozent nach einer und rund 82 Prozent nach zwei Dosen. Durchbruchsinfektionen sind also möglich, verlaufen bei Geimpften aber meist deutlich milder.
Kostenübernahme bleibt uneinheitlich
Hier wird es unübersichtlich. Seit dem 1. September 2024 ist die Mpox-Impfung für die genannten Risikogruppen offiziell eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. In der Praxis hängt die tatsächliche Kostenübernahme aber davon ab, ob die Kassenärztliche Vereinigung im jeweiligen Bundesland eine Abrechnungsvereinbarung mit den Krankenkassen getroffen hat – und das war zuletzt nicht überall der Fall. Wer die Impfung selbst zahlen muss, sollte allein für den Impfstoff mit mindestens 200 Euro pro Dosis rechnen, dazu kommen die ärztlichen Kosten für Beratung und Verabreichung.
Am unkompliziertesten ist die Impfung meist über HIV-Schwerpunktpraxen, manche Gesundheitsämter bieten sie ebenfalls an. Da sich die Regelungen von Bundesland zu Bundesland und im Zeitverlauf ändern können, lohnt sich vorab ein kurzer Anruf bei der eigenen Krankenkasse oder der Praxis vor Ort – dieser Artikel gibt den Stand von August 2026 wieder.
Zwei verschiedene Ausbrüche als Hintergrund
Der Ausbruch von 2022 wurde durch die Virusvariante Klade IIb ausgelöst und betraf weltweit vor allem Männer, die Sex mit Männern haben. Seit 2024 kursiert in Zentralafrika, vor allem in der Demokratischen Republik Kongo und Nachbarländern, zusätzlich die Klade I mit den Subvarianten Ia und Ib, die schwerer verlaufen kann. Die WHO reagierte darauf erneut mit einer Einstufung als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite. Für die Impfempfehlung in Deutschland ändert das im Kern nichts: Der gleiche Impfstoff schützt gegen beide Kladen, die Zielgruppe bleibt dieselbe.
Eine Mpox-Infektion selbst äußert sich typischerweise durch schmerzhafte Hautläsionen, oft im Genital- oder Analbereich, dazu Fieber und geschwollene Lymphknoten. Sie heilt in den meisten Fällen von selbst aus, kann aber sehr unangenehm sein und macht wochenlange Isolation nötig – gute Gründe, die Impfung nicht auf die lange Bank zu schieben, wenn man zur empfohlenen Zielgruppe gehört.
Häufige Fragen
Zuletzt geprüft: 30. August 2026