HPV-Impfung gilt als Frauenthema, doch sie schützt auch Männer vor Krebs im Mund- und Rachenraum, am Anus und am Penis. Warum die Impfung gerade für queere Männer wichtig ist, wer sie zahlt und ab wann sie sinnvoll ist.
Ein Image-Problem hat die HPV-Impfung. Sie gilt als Impfung für Mädchen und junge Frauen, obwohl sie auch Männern einen klaren Schutz bietet. Wer sich über die eigene Gesundheit informiert, stößt schnell auf Zahlen, die das ändern sollten.
HPV, das steht für Humane Papillomviren. Die Infektion ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen überhaupt, und die meisten sexuell aktiven Menschen bekommen sie irgendwann im Leben. Oft heilt sie von selbst aus. Bleibt eine Infektion mit einem Hochrisiko-Typ bestehen, kann sie Jahre später zu Krebs führen. Bei Männern betrifft das vor allem den Mund- und Rachenraum, den Analbereich und den Penis.
Die Zahlen dazu hat das Robert Koch-Institut zusammengetragen. In Europa ist etwa einer von fünf männlichen Jugendlichen und Männern ab 15 Jahren mit mindestens einem Hochrisiko-Typ infiziert, der Krebs auslösen kann. Jährlich erkranken in Deutschland rund 2.900 Männer an HPV-bedingtem Krebs, vor allem im Mund- und Rachenraum. In den USA und in Großbritannien wird Mund- und Rachenkrebs durch HPV bei Männern inzwischen häufiger diagnostiziert als Gebärmutterhalskrebs bei Frauen.
Ein Sammelbegriff ist der Name der Viren. Es gibt über 200 Typen, von denen einige harmlos sind und nur Warzen verursachen, während andere das Krebsrisiko erhöhen. Die Impfung richtet sich gegen die gefährlichsten davon. Der in Deutschland gebräuchliche Impfstoff Gardasil 9 schützt gegen die Hochrisiko-Typen 16 und 18 sowie 31, 33, 45, 52 und 58, dazu gegen die Typen 6 und 11, die Genitalwarzen auslösen. Der Impfstoff Cervarix ist auf die Typen 16 und 18 fokussiert.
In der Empfehlung sind sich die Fachgesellschaften einig: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Kinder ab neun Jahren. Bis zum Alter von 14 Jahren genügen zwei Dosen, ab 15 Jahren sind drei nötig. Nachholimpfungen werden bis zum Alter von 17 Jahren empfohlen, und auch für Menschen über 18 kann die Impfung individuell sinnvoll sein. Die Impfstoffe sind ab neun Jahren ohne Altersbegrenzung zugelassen.
Eine besondere Bedeutung hat die Impfung für Männer, die Sex mit Männern haben. Ihr Risiko für HPV-bedingte Vorstufen und Krebs im Analbereich ist erhöht, weshalb internationale Impfkommissionen wie die US-amerikanische ACIP die Impfung für Männer, die Sex mit Männern haben, bis zum Alter von 26 Jahren ausdrücklich empfehlen. Die Datenlage dahinter ist solide: In einer Studie mit 602 Männern, die Sex mit Männern haben, verhinderte die Impfung rund 75 Prozent der Vorstufen von Analkrebs und war fast vollständig wirksam gegen Genitalwarzen.
Viele Erwachsene fragen sich, ob die Impfung im höheren Alter überhaupt noch sinnvoll ist. Die Antwort ist differenzierter, als viele denken. Eine Impfung schützt am besten, bevor der erste Kontakt mit dem Virus stattfindet. Je älter die Person bei der Erstimpfung ist, desto geringer ist der Schutz vor Krebsvorstufen. Trotzdem: Wer noch nicht infiziert ist oder nur mit einem Teil der Typen Kontakt hatte, kann von einer späteren Impfung profitieren. Neue Sexpartnerinnen und -partner gelten als Risikofaktor für eine neue Infektion, unabhängig vom Alter.
Ein häufiges Missverständnis lautet, die Impfung sei nur etwas für Menschen ohne Sexualkontakte. Dabei wirkt sie auch, wenn bereits sexuelle Erfahrungen bestehen. Zwar kann eine Infektion mit einem Impfstoff-Typ schon vorliegen, gegen die übrigen Typen baut der Körper dann aber trotzdem Schutz auf. Wer also jahrelang mit der Entscheidung gerungen hat, ist nicht zu spät dran, nur weil der idealste Zeitpunkt vorbei ist.
Was die Kosten angeht, gibt es in Deutschland eine klare Regelung. Für Kinder und Jugendliche von 9 bis einschließlich 17 Jahren übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten der von der STIKO empfohlenen Impfung. Viele Krankenkassen erstatten die Impfung darüber hinaus auch bis zum Alter von 26 Jahren, manche sogar bis 45, je nach individuellem Antrag. Bei der privaten Krankenversicherung lohnt ein Blick in die eigenen Tarife.
Gut dokumentiert sind die Nebenwirkungen der Impfung. Schmerzen an der Einstichstelle, Rötungen oder Müdigkeit treten kurz nach der Impfung auf und klingen meist von selbst ab. Das Paul-Ehrlich-Institut bewertet die Impfstoffe auf Basis der gesammelten Daten als sicher, sowohl für Frauen als auch für Männer. Schwere unerwünschte Reaktionen sind selten.
Wer eine Impfung plant, sollte vorher nicht lange zögern. Einen Termin gibt es bei Hausärztinnen und Hausärzten, bei vielen Urologinnen und Urologen sowie in einigen Gesundheitsämtern. Besonders für Männer, die Sex mit Männern haben, und für Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann das Gespräch über die Impfung ein sinnvoller Bestandteil der regelmäßigen Gesundheitsvorsorge sein. So wie die Impfungen gegen Hepatitis A und B gehören auch die HPV-Impfung und regelmäßige Testangebote zu einem guten Umgang mit der eigenen sexuellen Gesundheit.
Häufige Fragen
Zuletzt geprüft: 4. September 2026