Queere Infrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern ist stark von Beratungs- und Selbsthilfestrukturen geprägt, weniger von festen Bars oder Kulturhäusern wie in größeren Bundesländern. RatUndTat in Rostock zählt zu den etablierten Anlaufstellen für Beratung und Community-Angebote und bildet zusammen mit dem CSD Rostock e.V. das organisatorische Rückgrat der queeren Szene in der Hansestadt, mit Angeboten, die von Einzelgesprächen bis zu offenen Gruppentreffen reichen.
In Greifswald kümmert sich das Aktionsbündnis Queer um Sichtbarkeit und Vernetzung vor Ort, in Stralsund übernimmt die Gruppe Chamäleon eine ähnliche Rolle, und in Schwerin bieten der Klub Einblick sowie der dortige CSD-Verein feste Ansprechpartner. Der Landesverband LSVD Queer MV vernetzt diese lokalen Initiativen und vertritt ihre Anliegen gegenüber Politik und Verwaltung im ganzen Bundesland, mit einem Vereinsverzeichnis, das Ratsuchenden auch in kleineren Orten eine erste Anlaufstelle nennt.
Die Geschichte dieser Strukturen ist eng mit der Zeit nach der Wiedervereinigung verbunden: Queeres Leben hatte zu DDR-Zeiten kaum öffentlichen Raum, sichtbare Anlaufstellen entstanden erst danach schrittweise. Diese jüngere Geschichte prägt bis heute den Charakter der Szene – kleinteiliger, stärker auf ehrenamtliches Engagement angewiesen und stellenweise mit Herausforderungen bei der Sicherheit konfrontiert, denen die lokalen Vereine mit Forderungen nach mehr Unterstützung und Beratungsangeboten begegnen. Trotz dieser Ausgangslage ist die Zahl aktiver Gruppen im Land in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen.