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Das Sterben der lesbischen Bars – und wo sie überleben

4 Min Lesezeit

Bild: "Rainbow Flag - Pride Flag in Amsterdam" by Tony Webster is licensed under CC BY 2.0. To view a copy of this license, visit https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/. (Quelle) · BY 2.0

In den USA gab es in den 1980ern rund 200 lesbische Bars, heute sind es kaum mehr als 30. Auch in Deutschland verschwinden feste Lokale – und werden zunehmend durch Partykollektive ersetzt. Ein Blick auf Zahlen, Gründe und die neue Szene.

Wer in einer beliebigen Stadt nach „Gay Bar“ sucht, findet meist mehrere Treffer. Wer gezielt nach einer Bar für lesbische und queere Frauen sucht, hat es deutlich schwerer – und das ist kein Zufall, sondern ein Trend, der seit Jahrzehnten anhält.

Vom Boom zur Randerscheinung

In den USA gab es Ende der 1980er-Jahre noch rund 200 explizit lesbische Bars. 2019, kurz vor der Pandemie, waren es laut einer Zählung des Lesbian Bar Project nur noch 15 – ein Rückgang von über 90 Prozent innerhalb von drei Jahrzehnten. Zum Vergleich: Bars für schwule Männer oder gemischt-queeres Publikum gibt es in den USA nach wie vor rund 1.000. Inzwischen hat sich die Zahl der Lesbenbars zwar wieder erholt, auf aktuell etwa 30, doch das ändert nichts am grundsätzlichen Missverhältnis.

Warum gerade Lesbenbars zuerst verschwanden

Mehrere Faktoren griffen ineinander. Historisch hatten Frauen es in vielen Ländern schwerer, Kredite, Kreditkarten oder Schankkonzessionen ohne männliche Mitunterzeichner zu bekommen – ein struktureller Nachteil beim Gründen eines eigenen Lokals. Dazu kommt die Lohnlücke: Frauen verfügen im Schnitt über weniger frei verfügbares Einkommen, Lesbenbars verzichten traditionell eher auf Eintritt und Flaschenservice, müssen aber dieselben steigenden Mieten stemmen wie jede andere Kneipe.

Gentrifizierung verschärfte das zusätzlich. Der Lexington Club in San Francisco, über anderthalb Jahrzehnte eine feste Institution der Stadt, schloss 2015, nachdem sich durch den Tech-Boom die Mieten im Viertel verdoppelt hatten und sich das angestammte Publikum die Gegend nicht mehr leisten konnte. Parallel dazu übernahmen Dating-Apps zunehmend die Funktion, die Bars früher hatten: Kennenlernen, Coming-out-Gespräche, ein geschützter erster Kontakt zur Szene – all das verlagerte sich ins Digitale. Und mit wachsender gesellschaftlicher Akzeptanz wirkten eigene Räume für viele weniger dringend notwendig, selbst wenn sie es aus Sicht der Community weiterhin sind.

Die Lage in Deutschland

Auch hierzulande ist der Trend deutlich sichtbar. In München schloss mit Inges Karotte die letzte durchgehend lesbische Kneipe der Stadt. In Hamburg beschränkt sich das Angebot inzwischen weitgehend auf monatliche Partyreihen statt feste Lokale. In Berlin gibt es keine dauerhaft geöffnete, explizit lesbische Bar mehr – an ihre Stelle sind Partykollektive wie Bebex oder Girlstown getreten, die regelmäßig, aber nicht durchgehend Räume für FLINTA-Personen öffnen. Eine der wenigen Ausnahmen ist die BOIze Bar in Köln, gegründet von Payman Neziri als fester Anlaufpunkt für queere FLINTA-Personen. Sie musste kurz nach der Eröffnung pandemiebedingt schließen, überlebte aber dank privater Unterstützung.

Das Lesbian Bar Project

Reaktion auf diesen Rückgang war 2020 das Lesbian Bar Project der Filmemacherinnen Erica Rose und Elina Street: eine Spendenkampagne, die rund 150.000 Dollar für von der Pandemie bedrohte Bars in den USA sammelte, verbunden mit einer Dokuserie über die verbliebenen Orte. Inzwischen ist das Projekt international gewachsen und hat mit „FLINTA“ erstmals eine Episode über die Situation in Deutschland produziert, mit Fokus auf Köln und Berlin und unterstützt durch Jägermeisters „#SaveTheNight“-Initiative.

Warum das mehr als Nostalgie ist

Der Verlust fester Lesbenbars wird oft als reine Nostalgie-Debatte abgetan, ist aber vor allem eine Frage nach sicheren Räumen. Auch in gemischt-queeren Bars und auf CSD-Partys berichten lesbische und queere Frauen immer wieder von Belästigung durch cis Männer – ein Problem, das explizit für FLINTA-Personen reservierte Orte gezielt umgehen sollten. Genau diese Schutzfunktion, so ein wiederkehrendes Argument aus der Community, lässt sich erst dann würdigen, wenn sie tatsächlich fehlt.

Ein neues Modell statt der alten Bar

Auffällig ist, dass die Erholung der Szene selten über klassische, dauerhaft geöffnete Bars läuft. Häufiger entstehen Partyreihen und Kollektive, die sich wechselnde Locations mieten, statt selbst Miete für einen festen Raum zu zahlen – wirtschaftlich risikoärmer, dafür ohne den festen Anlaufpunkt, den eine eigene Bar bietet. Wer heute nach lesbischer und queerer Frauen-Szene in der eigenen Stadt sucht, findet sie also seltener an einer festen Adresse als über Ankündigungen einzelner Partyreihen und Kollektive in sozialen Netzwerken.

Das Verschwinden fester Lesbenbars ist damit weniger ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage fehlt, als ein Symptom der wirtschaftlichen Hürden, mit denen genau diese Orte historisch zu kämpfen hatten.

Wie du die Szene heute findest

Wer eine feste Adresse im Stadtplan sucht, wird also seltener fündig als früher – wer stattdessen lokale Partykollektive auf Instagram oder in Apps wie HER verfolgt, findet meist trotzdem eine lebendige Szene, nur eben in wechselnden Locations statt an einem festen Tresen. Ein Blick in die Veranstaltungskalender der örtlichen LGBTQ+-Vereine lohnt sich ebenfalls, da viele Partyreihen dort zuerst angekündigt werden, bevor sie auf Social Media auftauchen.

Häufige Fragen

Nach dem Tiefstand von 15 im Jahr 2019 hat sich die Zahl wieder auf rund 30 erholt – gegenüber etwa 200 Ende der 1980er-Jahre.
Eine Kombination aus historisch erschwertem Kreditzugang für Frauen, geringerem verfügbarem Einkommen durch die Lohnlücke, Gentrifizierung und der Verlagerung des Kennenlernens auf Dating-Apps.
Feste Lokale sind selten geworden – Inges Karotte in München hat geschlossen, in Berlin gibt es keine dauerhafte Lesbenbar mehr. Die BOIze Bar in Köln ist eine der wenigen Ausnahmen, ergänzt durch Partykollektive wie Bebex oder Girlstown in Berlin.
Eine 2020 gestartete US-Initiative der Filmemacherinnen Erica Rose und Elina Street, die Spenden für bedrohte Lesbenbars sammelte und inzwischen auch eine Dokuserie über die internationale Szene produziert, darunter eine Folge über Köln und Berlin.
Über lokale Partykollektive auf Social Media, Dating-Apps wie HER und die Veranstaltungskalender örtlicher LGBTQ+-Vereine, die viele Termine zuerst ankündigen.
Sie bieten Schutz vor Belästigung, die in gemischt-queeren, oft von cis Männern dominierten Räumen weiterhin vorkommt – eine Funktion, die laut Community erst auffällt, wenn sie fehlt.
Lesbenbars Szene-Guide FLINTA Nachtleben Community Lesbian Bar Project

Zuletzt geprüft: 2. September 2026

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