Prides Locations Reisen Partys Filme News
DE EN ES
Gay-Location.de
Szene-Guides

Drag Brunch und Drag Show: Ein Guide für den ersten Besuch

4 Min Lesezeit

Drag Brunch ist längst mehr als ein Trend in deutschen Großstädten. Wer zum ersten Mal geht, sollte Trinkgeld-Knigge, Zustimmungsregeln und ein bisschen Hintergrundwissen zum Format im Gepäck haben.

Sonntagmittag, Champagner-Cocktail in der Hand, während eine Performerin zwischen den Tischen zu Robyn lipsynct: Drag Brunch hat sich in Berlin, Köln und München zu einem festen Termin im queeren Wochenendkalender entwickelt. Wer zum ersten Mal hingeht, tut sich mit ein paar Grundregeln leichter.

Woher der Begriff kommt

„Drag“ geht vermutlich auf Ausdrücke wie „putting on their drags“ zurück – gemeint waren Kostüme mit Petticoats, deren Säume beim Auftritt über den Boden „dragten“, also schleiften. Als eigenes Gastro-Format entstand der Drag Brunch schätzungsweise in den 1950er-Jahren in den USA: Restaurants kombinierten ein bürgerliches Mittagessen mit Live-Unterhaltung, um ein breiteres Publikum anzulocken. Auf genau dieses Grundprinzip geht die heutige Form zurück, bei der mehrere Performer:innen im Laufe der Veranstaltung von Tisch zu Tisch ziehen.

Wie ein Drag Brunch abläuft

Anders als eine klassische Abendshow findet ein Drag Brunch tagsüber statt, meist an Samstagen oder Sonntagen zwischen 12 und 16 Uhr, und ist entsprechend lockerer: Die Performer:innen sitzen und stehen näher am Publikum, oft direkt am Tisch. In Berlin dauert ein typischer Drag Brunch zwei bis drei Stunden, die meisten Locations verlangen einen Festpreis pro Person zwischen etwa 35 und 60 Euro, je nachdem, was an Essen und Getränken inklusive ist. In Köln laufen ähnliche Formate wie der „Drag Brunch mit Biss“, in München hat sich unter anderem die Dragqueen Pinay Colada mit eigenen Brunch-Terminen im queeren Lokal Fesch einen Namen gemacht.

Wer zum ersten Mal geht, sollte vorher auf der Website oder den Social-Media-Kanälen der Location nachsehen: Manche Abende haben ein Motto, für das sich Dresscode-mäßiges Mitmachen lohnt, andere sind offen gehalten.

Trinkgeld-Knigge

Meist erhalten Drag-Performer:innen eine Gage, doch ein großer Teil ihres Einkommens kommt aus Trinkgeld – bei Brunch-Formaten sogar noch stärker als bei Abendshows, weil das direkte Publikumsinteraktion Teil des Konzepts ist. Ein paar praktische Punkte dazu:

Kleine Scheine bereithalten, bevor die Show beginnt – an der Bar umtauschen lassen, wenn nötig. Üblich sind ein bis zwei Euro pro Performerin und Interaktion, bei einem besonders starken Auftritt gerne auch mehr. Den Schein locker in die ausgestreckte Hand der Performerin legen oder reichen, nicht hineinstopfen oder aufkleben. Münzen als Trinkgeld gelten als unhöflich.

Weitere Benimmregeln

Zustimmung gilt auch auf der Bühne: Dass jemand für Trinkgeld auftritt, ist keine Einladung, sie oder ihn anzufassen. Wer als Publikum mitgeht, lacht laut, klatscht, singt mit, wenn dazu aufgefordert wird – Performer:innen leben von der Energie im Raum, stille Zurückhaltung wirkt schnell unhöflich. Und weil Drag Brunches meist in kleinen, unabhängigen Locations stattfinden, trägt die eigene Bestellung an Essen und Getränken direkt dazu bei, dass das Format überhaupt weiterexistiert.

Warum das nicht überall selbstverständlich ist

In Deutschland ist Drag Brunch heute ein unpolitisches Freizeitangebot, buchbar wie jedes andere Restauranterlebnis. Das ist nicht überall so: In den USA schränken bislang zwei Bundesstaaten, Tennessee und Montana, Drag-Auftritte per Gesetz ein. Tennessees „Adult Entertainment Act“ stuft „männliche oder weibliche Imitator:innen“ unter bestimmten Bedingungen als Erwachsenenunterhaltung ein und verbietet solche Auftritte auf öffentlichem Grund oder dort, wo Minderjährige sie sehen könnten; ein Berufungsgericht ließ das Gesetz 2024 in Kraft treten. Dagegen wurde Montanas ähnliches Gesetz von einem Bundesgericht gestoppt, ein Berufungsgericht bestätigte diese Blockade im März 2026. Zusätzlich haben Bundesstaaten wie Texas, Florida, Arkansas und North Dakota breiter gefasste Gesetze zu Erwachsenenunterhaltung, die im Einzelfall auch Drag-Auftritte betreffen können, ohne das Format grundsätzlich zu verbieten.

Für Reisende bedeutet das: Wer Drag Brunch aus deutschen Großstädten kennt, sollte bei Trips in bestimmte US-Bundesstaaten nicht automatisch davon ausgehen, dass dieselben Formate überall in gleicher Form angeboten werden.

Häufige Fragen

Ein Drag Brunch ist eine Mittagsveranstaltung in einem Restaurant oder Lokal, bei der Drag-Performer:innen zwischen den Tischen auftreten, lipsyncen und das Publikum aktiv einbeziehen – meist kombiniert mit einem Festpreis für Essen und Getränke.
Ein bis zwei Euro pro Performerin und Interaktion gelten als Richtwert, bei einem besonders guten Auftritt auch mehr. Der Schein wird locker in die ausgestreckte Hand gelegt, nicht hineingestopft, Münzen gelten als unpassend.
In Berlin liegen die Preise meist zwischen 35 und 60 Euro pro Person, abhängig davon, was an Essen und Getränken im Paket enthalten ist. Ähnliche Preisrahmen gelten in anderen deutschen Großstädten.
Nein. Ein Auftritt für Trinkgeld ist keine Zustimmung zu Körperkontakt – das gilt unabhängig davon, wie nah Performer:innen bei Brunch-Formaten am Publikum sitzen.
In den USA schränken die Bundesstaaten Tennessee und Montana Drag-Auftritte per Gesetz ein, mit unterschiedlichem rechtlichem Ausgang vor Gericht. Weitere Bundesstaaten haben breitere Gesetze zu Erwachsenenunterhaltung, die im Einzelfall greifen können.
Über die Social-Media-Kanäle queerer Lokale und Bars, städtische Eventkalender oder Veranstaltungsplattformen, die queere Programme listen. Ein Blick auf das Motto des jeweiligen Termins lohnt sich vorab, falls ein bestimmter Dresscode erwartet wird.
Drag Drag Brunch Szene-Guide Nightlife Etikette Community

Zuletzt geprüft: 7. August 2026

Das könnte dich auch interessieren