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Gay Bars und Cafés in Berlin, Köln, München und Hamburg: die wichtigsten Adressen, ihre Viertel und praktische Tipps für den ersten Abend in der Szene.
Eine gute Gay Bar ist mehr als ein Ort zum Trinken. Sie ist Anlaufstelle für den ersten Abend in einer fremden Stadt, Treffpunkt nach der Demo, manchmal die einzige Adresse, an der man sich ohne zweiten Gedanken küssen kann. Deutschland hat in seinen großen Städten über Jahrzehnte gewachsene Szenen, die jeweils ihr eigenes Gesicht haben. Wer weiß, wo er suchen muss, findet schnell Anschluss.
Berlin: Schöneberg als historischer Kern
Rund um den Nollendorfplatz, im Volksmund "Nolle", liegt der älteste schwule Kiez der Stadt. Schon in den 1920er-Jahren reihten sich hier Bars und Cabarets aneinander; an die Verfolgung unter den Nationalsozialisten erinnert heute eine Gedenktafel mit der Aufschrift "Totgeschlagen – Totgeschwiegen" am U-Bahnhof, dessen Kuppel seit 2013 in Regenbogenfarben leuchtet. Die Szene reicht längst über Schöneberg hinaus, bis nach Kreuzberg und Friedrichshain.
- Möbel Olfe: Kultige Kiezbar am Kottbusser Tor in Kreuzberg, donnerstags der queere Klassiker
- Prinzknecht: Geräumige Bar an der Fuggerstraße in Schöneberg, entspannt und gut besucht
- Café Berio: Traditionscafé am Nollendorfplatz, tagsüber für Kaffee und Kuchen
- Romeo & Romeo: Stylische Cocktailbar, eher Pre-Party als Tanzfläche
- Woof Berlin: Treffpunkt der Bären- und Cruising-Szene
Wer von Schöneberg aus weiterzieht, sollte sich auch die Wochenenden anschauen, wenn die Party-Termine der großen Städte die Clubs füllen. Berlin ist berüchtigt dafür, dass eine Nacht erst um vier Uhr morgens richtig beginnt.
Köln: das Bermudadreieck der Schaafenstraße
Auf rund 150 Metern bündelt die Schaafenstraße eine Bardichte, die in Deutschland kaum ein zweites Mal vorkommt. Den Spitznamen "Bermudadreieck" trägt das Viertel, weil viele Besucher es abends betreten und erst im Morgengrauen wieder verlassen. Köln veranstaltet außerdem den größten CSD Deutschlands mit weit über einer Million Menschen – eine Woche vorher steigt das Straßenfest in der Schaafenstraße.
- Mumu: Eine Institution mitten im Bermudadreieck
- Exile: Große Bar mit mehreren Bereichen, gut für den späten Abend
- Iron: Leder- und Fetisch-Bar mit eigenem Publikum
- Café Storch: Entspannte Adresse für den Nachmittag am Rand des Viertels
Die Fetisch-Adressen haben ihre eigenen Gepflogenheiten. Wer hier zum ersten Mal hineinschaut, kann sich vorab unseren Guide zu Dresscode und Etikette in Leder- und Fetisch-Bars ansehen.
München: das Glockenbachviertel
Südlich des Gärtnerplatzes liegt das Glockenbachviertel, seit Langem Künstler- und Schwulenkiez zugleich. Die Szene ist in den letzten zwei Jahrzehnten kleiner geworden – wo um die Jahrtausendwende noch sechs Saunen und Dutzende Bars existierten, lässt sich der harte Kern heute an zwei Händen abzählen. Was geblieben ist, hat dafür Charakter. Die Deutsche Eiche am Rand des Viertels vereint Hotel, bayerisches Wirtshaus und eine der größten Saunen Europas unter einem Dach.
- Deutsche Eiche: Institution mit Restaurant, Bar und angeschlossener Sauna
- Ochsengarten: Traditionelle Leder-Bar mit langer Geschichte
- Nil: Entspannte Bar im Herzen des Glockenbachviertels
- Café Glück: Beliebte Adresse für Brunch und Tageskaffee
Hamburg: St. Georg rund um die Lange Reihe
In Hamburg konzentriert sich die Szene auf St. Georg, mit der Langen Reihe und dem Pulverteich als Achsen. Die Lange Reihe lädt tagsüber zum Bummeln durch Läden und Cafés ein, abends rücken die Bars in den Vordergrund. St. Pauli auf der anderen Elbseite ergänzt das Bild mit ein paar kleineren Adressen.
- Café Gnosa: Seit Jahrzehnten eine feste Größe an der Langen Reihe
- Wunderbar: Kleine, gemütliche Bar in St. Pauli
- Generation Bar: Beliebter Treffpunkt in St. Georg
So findest du dich in jeder Szene zurecht
Die vier großen Städte sind nur der Anfang. Auch Frankfurt, Stuttgart und Leipzig haben gewachsene Treffpunkte, und kleinere Orte überraschen oft mit einer einzigen, dafür umso wichtigeren Bar. Ein paar Dinge gelten fast überall:
- Timing: Die meisten Gay Bars werden erst ab 22 Uhr richtig voll. Für ein ruhiges Bier kommst du früher.
- Charakter prüfen: Leder-, Bären- und Cocktailbars ziehen unterschiedliches Publikum an. Ein Blick auf die Außenseite oder die Webseite spart Überraschungen.
- Cash dabei: Manche kleinere Bars nehmen bis heute nur Bargeld.
- Nachfragen lohnt: Das Personal hinter dem Tresen kennt die Stadt und sagt dir gern, wo am jeweiligen Abend etwas los ist.
Welche Bar in welchem Stadtteil steckt, ergibt sich oft aus der Geografie der Szene. Wie die deutschen Schwulenviertel entstanden sind, erklärt unser Überblick von Schöneberg bis Glockenbachviertel. Wer über die Bar hinaus weiterziehen will, findet im Sauna-Guide für Einsteiger die passende Orientierung. Und für die Reiseplanung lohnt sich ein Blick auf die internationalen Gay-Hotspots sowie auf unsere Übersicht der Gay-Locations weltweit.