Queere Buchhandlungen, Cafés und Community-Zentren waren oft die ersten sichtbaren Räume der Szene. Warum sie entstanden, was sie bis heute leisten und wo die bekanntesten stehen.
Bars und Clubs prägen das Bild der queeren Szene. Aber nicht jeder Ort der Community ist ein Ort zum Feiern. Buchhandlungen, Cafés und Community-Zentren waren oft die ersten sichtbaren Räume, in denen queere Menschen sich treffen konnten, ohne sich zu verstecken. Viele von ihnen gibt es seit Jahrzehnten.
Warum diese Orte entstanden
In den 1970er-Jahren gab es kaum Orte, an denen queere Literatur überhaupt erhältlich war. Schwule und lesbische Bücher verschickte man über Versandlisten, etwa über die Zeitung Gay News in Großbritannien. Kneipen waren oft halb im Verborgenen: Wer hinein wollte, musste klingeln. Sichtbare, offene Räume waren ein bewusster Bruch mit dieser Praxis.
Buchhandlungen und Cafés füllten eine Lücke. Sie waren zugleich Laden, Informationsstelle und Treffpunkt. Wer gerade erst begriff, wer er oder sie war, konnte hier ohne Anmeldung hereinkommen, stöbern und mit Menschen sprechen.
Prinz Eisenherz: Die erste schwule Buchhandlung Deutschlands
Im November 1978 eröffnete auf der Bülowstraße in Berlin die erste schwule Buchhandlung Deutschlands: Prinz Eisenherz. Sie entstand aus der linken Schwulenbewegung. Der Name ist eine ironische Anspielung auf die Comicfigur, um die sich seit jeher Gerüchte rankten. 2004 fiel das „Prinz" im Namen, um offener und weniger männlich dominiert zu wirken. Seit 2014 liegt der Laden, heute Eisenherz Buchladen, an der Motzstraße in Schöneberg.
Aus der Buchhandlung sind Projekte hervorgegangen, die die Berliner Szene bis heute prägen, darunter das SchwuZ und das Stadtmagazin Siegessäule. Gründer Roland Müller-Flashar bringt die Haltung des Ladens auf den Punkt: Solange Diskriminierung existiert, muss es diese Buchhandlung geben.
Gay's The Word: Ein Londoner Bollwerk
In London eröffnete 1979 Gay's The Word, die älteste LGBTQ+-Buchhandlung Großbritanniens. Gegründet wurde sie von Mitgliedern der schwul-sozialistischen Gruppe Gay Icebreakers, inspiriert vom Besuch der Oscar-Wilde-Buchhandlung in New York. Der Laden in Bloomsbury war von Anfang an mehr als ein Geschäft: Nach Feierabend trafen sich dort Gruppen, darunter Lesbians and Gays Support the Miners, deren Geschichte der Film Pride von 2014 erzählt.
1984 stürmten Zollbeamte den Laden und beschlagnahmten über 140 Titel als angeblich unzüchtig. Die Anklage gegen die neun Betreiber wurde 1986 fallengelassen. Der Laden existiert bis heute und ist im London Museum dokumentiert.
Was Cafés und Zentren leisten
Nicht jede queere Anlaufstelle verkauft Bücher. Community-Zentren und Cafés bieten Beratung, Gruppen und einfach einen Tisch, an dem man ankommen kann. Sie sind für die da, die keine Lust auf Partys haben, noch nicht volljährig sind oder einfach tagsüber Gesellschaft suchen. In vielen Städten sind sie zugleich die Adresse für Coming-out-Beratung und Selbsthilfegruppen.
Was diese Orte besonders macht
Queere Buchhandlungen und Cafés unterscheiden sich von Bars in einem Punkt: Sie sind bei Tageslicht da. Wer das erste Mal in eine queere Einrichtung geht, findet dort eher Ruhe als Bass. Das Personal kennt die Literatur und die Anlaufstellen der Stadt, oft besser als jede Suchmaschine.
Und sie sind selten geworden. Von den vielen queeren Buchhandlungen der 1980er- und 1990er-Jahre sind nur wenige geblieben, weil Mieten stiegen und der Onlinehandel zunahm. Wer einen solchen Ort in seiner Stadt hat, sollte ihn nutzen. Viele veröffentlichen ihr Programm offen, von Lesungen über Sprachcafés bis zu Selbsthilfegruppen. Ein Blick auf die Website des nächsten queeren Zentrums lohnt sich.
Häufige Fragen
Zuletzt geprüft: 4. September 2026