Syphilis ist eine Geschlechtskrankheit, die man gut behandeln kann und die trotzdem Schaden anrichtet, wenn sie unbemerkt bleibt. Sie trifft in Deutschland vor allem Männer, die Sex mit Männern haben. Dieser Text erklärt, wie sie sich zeigt, wie ein Test funktioniert und was nach einem positiven Befund passiert. Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Grundlage ist der RKI-Ratgeber Syphilis, Stand November 2020; die Zahlen darin sind älter als dieser Artikel.
Was Syphilis ist
Ausgelöst wird sie durch das Bakterium Treponema pallidum. Der Mensch ist sein einziges Reservoir. Übertragen wird es meist beim Sex: Der Erreger dringt über kleinste Verletzungen von Haut oder Schleimhaut ein. Laut RKI kommt es bei etwa 30 Prozent der Kontakte mit einer infizierten Person zur Ansteckung. Seltener geschieht es über gemeinsam benutzte Nadeln.
Von der Ansteckung bis zu den ersten Zeichen vergehen im Schnitt 14 bis 24 Tage, möglich sind 10 bis 90 Tage.
Die Stadien und woran du sie erkennst
Erstes Stadium. An der Stelle, wo der Erreger eingedrungen ist, entsteht ein schmerzloses, derbes Geschwür. Bei Männern sitzt es oft an der Eichel. Es kann aber auch im Rachen oder im Enddarm sitzen, wo man es leicht übersieht. Nach vier bis sechs Wochen heilt es von selbst ab. Das täuscht: Die Infektion ist damit nicht vorbei.
Zweites Stadium. Vier bis zehn Wochen nach der Ansteckung kommen Fieber, Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen und geschwollene Lymphknoten dazu. Typisch ist ein Ausschlag, der nicht juckt, oft auch an Handflächen und Fußsohlen. Auch Haarausfall und Schleimhautveränderungen sind möglich. In den Stadien eins und zwei ist Syphilis hochansteckend.
Latenz. Danach folgt eine Phase ohne Symptome, die nur im Bluttest sichtbar ist.
Spätfolgen. Ohne Behandlung können nach Jahren bis Jahrzehnten Herz, Gefäße und Nervensystem geschädigt werden. Bei 15 bis 40 Prozent der Unbehandelten lassen sich laut RKI nach langem Verlauf Erreger im Nervenwasser nachweisen. Durch Penicillin sind solche Verläufe heute selten.
Testen
Der Suchtest ist ein Bluttest, meist TPHA oder TPPA. Er schlägt in der Regel zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung an. Eine frische Syphilis gilt erst nach 8 bis 10 Wochen als sicher ausgeschlossen. Bei Verdacht und negativem Ergebnis soll der Test nach ein bis zwei Wochen wiederholt werden. Ein auffälliger Suchtest wird mit einem zweiten Verfahren bestätigt. Ein weiterer Wert zeigt, wie aktiv die Infektion ist.
Wie oft du dich testen lassen solltest, hängt von deinem Alltag ab. Laut der Leitlinie, auf die der RKI-Ratgeber verweist, sollten Menschen, die PrEP nehmen, alle drei Monate getestet werden. Wer mehrere Partner:innen hat, fährt mit regelmäßigen Tests ebenfalls gut. Anlaufstellen sind Hausarztpraxen, Gesundheitsämter und die Beratungsstellen deiner örtlichen Aidshilfe. Frag dort nach, welche Tests es gibt und was sie kosten.
Behandlung
Mittel der ersten Wahl ist in allen Stadien Penicillin. Resistenzen sind bisher nicht bekannt. Wichtig ist, dass der Wirkspiegel mindestens zehn Tage hoch bleibt; wie lange und in welcher Form, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Nach Beginn der Behandlung können Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen auftreten, die sogenannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion. Sie ist bekannt und lässt sich behandeln.
Ob die Behandlung gewirkt hat, zeigt eine Kontrolle des Blutwerts. Der Wert sollte nach Therapie deutlich sinken, bei früher Syphilis innerhalb von Monaten bis zu einem Jahr. Steigt er wieder, spricht das für eine neue Infektion oder einen Rückfall. Nach einer Behandlung kannst du dich erneut anstecken.
Partner:innen informieren
Bis der Therapieerfolg belegt ist, sollte es keinen ungeschützten Sex geben. Das RKI empfiehlt außerdem ein vollständiges Screening auf andere Infektionen, einschließlich HIV. Partner:innen sollten informiert werden: bei primärer Syphilis die der letzten drei Monate, bei sekundärer oder früh latenter Syphilis die der letzten zwölf Monate. Die Benachrichtigung ist freiwillig. Gesundheitsämter und Aidshilfen helfen, wenn dir der Anruf schwerfällt.
Schutz
Eine Impfung gibt es nicht. Kondome, richtig angewendet, schützen gut. Entscheidend sind außerdem Früherkennung und schnelle Behandlung. Schon ein schmerzloses Geschwür ist ein Grund, zum Arzt zu gehen, auch wenn es verschwindet.
Zahlen und Einordnung
2019 wurden in Deutschland knapp 8.000 Fälle gemeldet. Über 90 Prozent der Diagnosen betreffen Männer, und bei Männern geht es überwiegend um Sex mit Männern. Seit 2010 stiegen die Zahlen bis zum Stand des Ratgebers. Das RKI führt das vor allem auf veränderte Sexualpraktiken im Rahmen von HIV-Risikominimierung und Online-Partnersuche zurück. In Großstädten liegt die Rate deutlich höher als auf dem Land. Der Nachweis ist nichtnamentlich meldepflichtig, deine Daten gehen also nicht mit Namen ans RKI.
Aktuelle Jahreszahlen findest du beim Robert Koch-Institut.
Wann du schnell zum Arzt gehen solltest
Bei einem Geschwür an Genitalien, After oder Mund, bei unerklärtem Ausschlag, besonders an Händen und Füßen, oder nach einem Kontakt mit einer Person, bei der Syphilis festgestellt wurde. Hinweis zur Einordnung: Ein Geschwür kann auch andere Ursachen haben, etwa Herpes. Das klärt nur ein Test.
Häufige Fragen
Quellen
- rki.de · Ratgeber_Syphilis