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Sportverein, Chor oder Coming-out-Treff: So findest du queere Gruppen in deiner Nähe, machst den ersten Schritt und gründest notfalls selbst eine.
Wer in einer neuen Stadt ankommt oder sich nach dem Coming-out das erste Mal in der Community umsieht, stösst schnell auf eine offene Frage: Wo finde ich Menschen, mit denen ich etwas teile? Vereine und Gruppen sind dafür der naheliegendste Weg. Sie reichen vom queeren Fussballverein über den Chor bis zur Selbsthilferunde, und fast überall lässt sich ohne grosse Hürde mitmachen.
Welche Arten von Gruppen es gibt
Die Vielfalt ist gross, und je nach Stadt unterscheidet sich das Angebot deutlich. Grob lassen sich diese Bereiche unterscheiden:
- Sportvereine: Vom Fussball über Volleyball bis zum Schwimmen. Clubs wie der SC Janus in Köln, Vorspiel in Berlin oder Startschuss in Hamburg gehören zu den bekanntesten queeren Sportvereinen Deutschlands und stehen für ein breites Spektrum an Disziplinen.
- Kulturgruppen: Schwule und lesbische Chöre, Theatergruppen, Lesekreise und Filmclubs. Viele treten regelmässig öffentlich auf und proben das ganze Jahr über.
- Selbsthilfe- und Beratungsgruppen: Coming-out-Treffs, Gesprächsrunden für HIV-positive Menschen, Regenbogenfamilien oder trans Personen.
- Berufsnetzwerke: LGBTQ+-Mitarbeitendennetzwerke in Unternehmen, Verwaltung und einzelnen Branchen.
- Alters- und Lebensphasengruppen: Jugendgruppen für junge Leute bis Mitte 20 und Seniorentreffs für ältere Queers, die sich ihren eigenen Raum schaffen.
Wo du konkret nach Gruppen suchst
Die meisten Wege führen über lokale Anlaufstellen. Queere Zentren und Beratungsstellen kennen das Angebot vor Ort am besten und vermitteln oft direkt weiter. Darüber hinaus helfen diese Quellen:
- Verzeichnisse und Veranstaltungskalender wie auf queere-sportgruppen oder in unserem Bereich Gay-Locations weltweit
- Das Queer Lexikon, das auf einer Karte queere Jugendgruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verzeichnet
- Facebook-Gruppen, Meetup und Discord-Server für loseren Austausch
- Schwarze Bretter in Szene-Bars, Cafés und Buchläden
- Infostände auf dem CSD, wo sich viele Vereine im Sommer vorstellen
Ein Blick in die Gay Bars und Cafés deiner Stadt lohnt sich oft doppelt: Hier hängen Aushänge aus, und das Personal weiss meist, welche Gruppe sich wann trifft.
Den ersten Schritt machen
Vor dem ersten Termin ist die Hemmschwelle oft am höchsten. Sie sinkt schnell. Die meisten Gruppen freuen sich über neue Gesichter und richten ihre Treffen bewusst so ein, dass auch Einsteiger gut ankommen.
Ein paar Dinge erleichtern den Einstieg:
- Schreib vorher kurz an, ob ein Schnupperbesuch möglich ist. Bei Sportgruppen klärt das auch gleich, ob du eigene Ausrüstung brauchst.
- Frag nach, ob es feste Anfängerzeiten oder offene Treffen gibt.
- Geh zu zweit, wenn dir das leichter fällt, oder nimm dir einen ersten Termin als reinen Kennenlern-Besuch vor, ganz ohne Druck.
Niemand erwartet, dass du beim ersten Mal alles weisst. Genau dafür sind offene Gruppen da.
Beratung, wenn es um mehr geht
Manche suchen weniger eine Freizeitgruppe als ein offenes Ohr. Für junge Menschen bietet etwa das Jugendnetzwerk Lambda Beratung per Mail, Chat, Telefon und persönlich an, speziell rund um Coming-out, Identität und Familie. Queere Jugendzentren wiederum sind Treffpunkte mit pädagogischem Team, in denen trans, inter oder nicht-binär sein selbstverständlich ist.
Wer mit Diskriminierung konfrontiert ist, findet bei vielen dieser Stellen auch rechtliche Orientierung oder eine Weitervermittlung. Wie du dich am Arbeitsplatz schützen kannst, erklärt unser Beitrag zum AGG und Diskriminierungsschutz.
Eigene Gruppe gründen
Du findest nichts Passendes? Dann gründe selbst. Das klingt grösser, als es ist. Oft reicht eine Handvoll Interessierter, ein regelmässiger Termin und ein Ort zum Treffen.
Lokale queere Zentren unterstützen häufig bei den ersten Schritten, stellen Räume zur Verfügung und helfen bei der Frage, ob ein eingetragener Verein überhaupt nötig ist. Für einen losen Stammtisch oder einen Lauftreff braucht es zunächst keine Vereinsstruktur, ein gemeinsamer Chat und ein fester Wochentag genügen. Sobald Geld fliesst, etwa für Hallenmieten oder Fördermittel, wird die Gründung eines eingetragenen Vereins (e.V.) sinnvoll. Dachverbände und Netzwerke wie der LSVD+ oder regionale Initiativen sind dabei gute Ansprechpartner, gerade wenn du an Förderung oder Vernetzung interessiert bist.
Wer sich darüber hinaus einbringen möchte, ohne gleich eine eigene Gruppe zu leiten, findet im Beitrag Ehrenamtlich engagieren in der Community konkrete Einstiege.