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Vom Fußball bis zu den FrontRunners: queere Sportgruppen in Deutschland zum Mitmachen – Vereine, Sportarten, große Events und wie du die passende Gruppe findest.
Wer queer ist und Sport machen will, landet irgendwann an derselben Frage: Wo trainiere ich, ohne mich erklären zu müssen? Queere Sportgruppen beantworten das ziemlich entspannt. Hier teilst du dir die Kabine, das Spielfeld oder die Laufstrecke mit Leuten, für die deine Identität kein Thema ist, sondern selbstverständlich. Vom Breitensport bis zum Wettkampf gibt es in Deutschland inzwischen ein dichtes Netz an Vereinen und losen Trainingsgruppen.
Warum eigene Sportgruppen entstanden sind
Sport war lange ein Ort, an dem viele Schwule, Lesben und trans Menschen sich klein gemacht haben. Sprüche in der Umkleide, das Misgendern beim Aufstellen, die stille Vorsicht, wer wovon erfahren darf. Aus diesem Druck heraus gründeten sich ab den 1980er-Jahren die ersten offen queeren Vereine.
Der SC Janus Köln startete 1980 als Volleyballclub schwuler Spieler und gilt als erster Verein in Europa, der sich ausdrücklich an schwule Sportler richtete. Sechs Jahre später folgte in West-Berlin Vorspiel – der erste deutsche Sportverein, der schon im Namen offen schwule Menschen ansprach. Was als Nische begann, ist heute Alltag: Trainieren, ohne ständig auf der Hut zu sein.
Welche Sportarten dich erwarten
Das Angebot ist breiter, als viele vermuten. Ein paar Klassiker tauchen fast überall auf:
- Fußball: Schwul-lesbische Mannschaften gibt es in fast jeder Großstadt, viele davon spielen eigene Turniere und reisen zu internationalen Cups.
- Volleyball: Eine der ältesten queeren Sportarten überhaupt – mit eigenen Ligen und großen Vereinen wie dem Frankfurter Volleyball Verein.
- Schwimmen: Feste Trainingszeiten im Hallenbad, oft mit Anschluss an Wettkämpfe der queeren Sportszene.
- Laufen: Die FrontRunners-Gruppen treffen sich meist wöchentlich zum gemeinsamen Joggen, vom Einsteigertempo bis zum Marathonziel.
- Badminton, Tennis, Tischtennis, Klettern, Yoga: Häufig als gemischte LGBTQ+-Gruppen, in die man auch spontan reinschnuppern kann.
Große Vereine bündeln das alles unter einem Dach. Vorspiel – Queerer Sportverein Berlin bietet über 35 Sportarten an und ist mit mehr als 2.000 Mitgliedern der größte LGBT-Sportverein Europas. In Hamburg deckt Startschuss mit rund 800 Mitgliedern über 20 Abteilungen ab. Dazwischen liegen Dutzende mittelgroße und kleine Vereine, von den Rosa Löwen in Leipzig bis zu lokalen Lauftreffs ohne Vereinsstruktur.
Du musst kein Leistungssportler sein
Das hält die meisten am Anfang ab – und es stimmt einfach nicht. Die wenigsten Gruppen schauen auf deine Bestzeit. Im Vordergrund stehen Bewegung, Regelmäßigkeit und der Anschluss an Leute, die man sonst nur in der Bar oder auf dem CSD trifft.
Viele Trainings sind ausdrücklich für alle Leistungsstufen offen. Bei den FrontRunners etwa läuft die Einsteigergruppe getrennt vom ambitionierten Tempo, und niemand bleibt zurück. Wer lange keinen Sport gemacht hat, findet hier einen leiseren Einstieg als im klassischen Verein. Probetrainings sind fast überall kostenlos – einmal vorbeischauen kostet nichts außer Überwindung.
Die großen Events der queeren Sportszene
Über das wöchentliche Training hinaus gibt es eine eigene Wettkampfwelt. Dachverband ist die European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF), 1989 gegründet, mit über 15.000 Mitgliedern in mehr als 100 Organisationen und über 30 Ländern. Drei Formate solltest du kennen:
- EuroGames: Die europäische LGBTQ+-Multisportmeisterschaft, erstmals 1992 in Den Haag ausgetragen und seither jedes Jahr von einer anderen Stadt ausgerichtet. Teilnahme steht allen offen, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Leistungsniveau.
- Gay Games: Das weltweite Pendant, oft als die „queeren Olympischen Spiele" beschrieben, mit Tausenden Teilnehmenden aus aller Welt.
- Turniere einzelner Sportarten: Vor allem im Fußball und Volleyball reisen queere Mannschaften übers Jahr zu Cups quer durch Europa.
2018 kamen in Berlin erstmals queere Sportvereine aus ganz Deutschland zum Bundesnetzwerktreffen zusammen, um sich besser zu vernetzen und gemeinsam gegen Homo- und Transfeindlichkeit im Sport vorzugehen. Diese Vernetzung trägt bis heute.
So findest du die passende Gruppe
Der einfachste Weg führt über die Vereinsseite in deiner Stadt: Trainingszeiten, Sportarten und Kontakt stehen dort meist direkt drin. Schreib der Abteilung eine kurze Mail oder komm zum nächsten Probetraining. Wenn du noch nicht weißt, welche Gruppen es vor Ort gibt, hilft ein Blick in regionale LGBTQ+-Vereine und Gruppen oder in lokale Community-Zentren weiter.
Sport ist außerdem ein guter Türöffner, wenn du neu in einer Stadt bist oder dich ehrenamtlich engagieren möchtest – viele Vereine leben von Leuten, die mit anpacken. Und manchmal endet der Trainingsabend ohnehin in einem der Gay Bars und Cafés der Stadt. Wer auf Reisen gehen will, findet bei den queeren Reisezielen oft Anschluss an lokale Sportgruppen am Urlaubsort.