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Schwulenviertel in Deutschland: Von Schöneberg bis Glockenbachviertel

Schwulenviertel in Deutschland: Von Schöneberg bis Glockenbachviertel

Bild: (pixabay)

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Von Schöneberg über das Glockenbachviertel bis zum Kölner Bermudadreieck: die bekanntesten Schwulenviertel Deutschlands und was sie ausmacht.

Manche deutschen Städte haben ein Viertel, in dem schwules Leben sichtbar wird: Regenbogenfahnen an den Fenstern, Bars dicht an dicht, ein Café, in dem man am Nachmittag einfach so reinschneit. Diese Kieze sind über Jahrzehnte gewachsen, oft an Orten, die früher als Rand galten. Wer in einer fremden Stadt schnell Anschluss sucht, ein Bier in entspannter Runde oder einfach einen Ort, an dem niemand zweimal hinschaut, landet meist genau hier. Die folgenden sechs Viertel sind die bekanntesten Adressen der schwulen Szene in Deutschland.

Berlin-Schöneberg: der älteste Regenbogenkiez der Welt

Rund um den Nollendorfplatz liegt das historische Herz der schwulen Szene in Deutschland. Schon seit den 1920er-Jahren etablierte sich hier ein lesbisch-schwules Viertel, das als das älteste seiner Art weltweit gilt. Damals reihten sich unzählige Bars aneinander, die legendäre Eldorado war der bekannteste Treffpunkt der Weimarer Jahre. Die Nazis beendeten diese Blütezeit brutal, schlossen die Lokale und verfolgten ihre Gäste. Eine Gedenktafel an der Südseite des U-Bahnhofs Nollendorfplatz erinnert seit 1989 an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Heute ist das queere Leben längst zurückgekehrt. Die Stahlkuppel des U-Bahnhofs leuchtet nachts in Regenbogenfarben, seit der Lichtkünstler Moritz Wermelskirch sie 2014 entsprechend illuminierte. Motzstraße und Fuggerstraße bilden die zentrale Achse des Kiezes, am Wochenende ist hier am meisten los. Wer Literatur sucht, findet in der Buchhandlung Eisenherz einen festen Anlaufpunkt.

Tipp: Vom Nollendorfplatz sind es nur ein paar Schritte zum Winterfeldtplatz, wo samstags der Wochenmarkt das Viertel zusätzlich belebt.

München-Glockenbachviertel: schwule Tradition seit den 60ern

Das Münchner Pendant zu Schöneberg liegt zentral zwischen Sendlinger Tor und Gärtnerplatz. Schwule Kneipen und Initiativen für Gleichberechtigung gibt es hier bereits seit den 1960er-Jahren. 1969, kurz nach der teilweisen Entkriminalisierung von Homosexualität, eröffnete in der Müllerstraße mit dem Ochsengarten die erste Lederschwulenbar Deutschlands. Sie existiert bis heute.

Rund um die Müllerstraße konzentriert sich das Szeneleben: Bars stehen neben Cafés und Boutiquen, die Stimmung ist eine Spur ruhiger als in Berlin. Das Sub in der Müllerstraße ist weit mehr als eine Bar, nämlich ein schwules Kommunikations- und Kulturzentrum. Eine Institution ganz eigener Art ist die Deutsche Eiche, früher als Männerbadehaus berühmt. Der erste Münchner CSD fand 1980 statt; bis heute verwandelt das Stadtfest jeden Sommer das Viertel in eine Freiluftparty.

Köln: das Bermudadreieck rund um die Schaafenstraße

Köln hat den Ruf, die schwulenfreundlichste Stadt Deutschlands zu sein, und das Bermudadreieck rund um Schaafenstraße, Rudolfplatz und Mühlenbach untermauert ihn. Auf gut 150 Metern drängen sich hier so viele schwule Bars wie kaum sonst irgendwo im Land. Den Namen verdankt das Viertel einer simplen Beobachtung: Wer abends hineingeht, taucht oft erst in den frühen Morgenstunden wieder auf.

Von der Lederbar bis zum Stehcafé ist die Bandbreite enorm. Die Schampanja, seit 1985 am Start, gilt als „Mutter des Bermudadreiecks" und schaffte es 2013 sogar auf die Liste der besten Gay-Bars weltweit des US-Magazins „Out". In der Woche vor dem ColognePride – mit über einer Million Besuchern Europas größter CSD – feiert das Viertel sein eigenes Schaafenstraßenfest. Mit den U-Bahn-Linien U1, U7 und U12 hält man direkt am Rudolfplatz.

Hamburg-St. Georg: bunt rund um die Lange Reihe

Nordöstlich des Hauptbahnhofs hat sich St. Georg vom Rotlichtbezirk zum bunten Szeneviertel gewandelt. Mehr als ein Dutzend schwule und lesbische Bars, Cafés, Clubs und Saunen säumen die historische Lange Reihe und ihre Seitenstraßen. Das Café Gnosa zählt zu den bekanntesten Treffpunkten der Hamburger Szene und ist über die Stadt hinaus ein Begriff.

Das Publikum ist so gemischt wie das Angebot. In der einen Bar üben Mittzwanziger ihren Flirt, in der nächsten dominieren Männer zwischen 30 und 50, oft passend zum Dresscode des Abends in Sportswear, Harness oder Leder. Multikulti und Toleranz prägen den Stadtteil, der trotz Großstadtnähe etwas Dörfliches behalten hat.

Frankfurt: das kleine Bermudadreieck an der Alten Gasse

Frankfurts schwule Szene bündelt sich rund um die Alte Gasse nordöstlich der Innenstadt, von Einheimischen ebenfalls Bermudadreieck genannt. Auf engem Raum reihen sich hier mehrere Bars aneinander, jede mit eigenem Charakter, von der traditionellen Kneipe bis zur modernen Cocktailbar. Das Viertel ist überschaubar, aber lebendig und der unbestrittene Mittelpunkt des queeren Nachtlebens der Mainmetropole.

Wer in Frankfurt zwischen zwei Terminen unterwegs ist, findet hier den schnellsten Weg in die Szene. Das angrenzende Bahnhofsviertel ist zwar zentral gelegen, hat aber einen anderen, raueren Charakter.

Was ein gutes Szeneviertel ausmacht

Bei aller Verschiedenheit haben diese Kieze etwas gemeinsam: kurze Wege. Bars, Cafés, Saunen und Beratungsstellen liegen meist fußläufig beieinander, oft mit guter Bahnanbindung. Genau das macht sie für Reisende so praktisch. An einem Abend lässt sich mühelos von der ruhigen Café-Runde in die laute Bar wechseln, ohne ein Taxi zu rufen.

Ein Tipp für die Orientierung vor Ort: Viele Viertel haben einen festen Anlaufpunkt – ein Café oder Zentrum, in dem Auslagen, Flyer und Gespräche zeigen, was gerade läuft. Wer dort startet, erfährt schnell, welche Bar am Abend voll wird und wo am Wochenende eine Party steigt. Eine Übersicht der besten Gay Bars und Cafés nach Städten hilft bei der Planung, bevor es überhaupt losgeht. Wer sich für Saunen interessiert, findet im Sauna-Guide für Einsteiger die nötigen Basics, und für Leder- oder Fetisch-Abende lohnt ein Blick auf Dresscode und Etikette.

Diese Viertel sind außerdem dichte Netzwerke der Community. Wer länger bleibt oder neu zugezogen ist, stößt hier auf Gruppen, Vereine und ehrenamtliche Strukturen – ein guter Startpunkt ist die Suche nach LGBTQ+-Vereinen und Gruppen. Und wer die historische Dimension begreifen will, etwa rund um Schöneberg, findet bei den wichtigen Orten schwuler Geschichte in Deutschland den passenden Kontext. Wen es über die Landesgrenzen hinaus zieht, dem zeigen die internationalen Gay-Reiseziele und Hotspots, dass jede Szene ihren eigenen Rhythmus hat.

Häufige Fragen

Berlin-Schöneberg rund um den Nollendorfplatz gilt als das älteste lesbisch-schwule Viertel der Welt. Schon in den 1920er-Jahren reihten sich dort Bars wie das legendäre Eldorado aneinander. Nach der Verfolgung in der NS-Zeit kehrte das queere Leben zurück und prägt den Kiez bis heute.
Das Glockenbachviertel liegt zentral zwischen Sendlinger Tor und Gärtnerplatz. Das schwule Szeneleben konzentriert sich vor allem rund um die Müllerstraße, wo 1969 mit dem Ochsengarten die erste Lederschwulenbar Deutschlands eröffnete. Bars, Cafés und das Kulturzentrum Sub liegen hier dicht beieinander.
Der Name spielt darauf an, dass Besucher, die abends in das Viertel rund um die Schaafenstraße kommen, oft erst in den frühen Morgenstunden wieder auftauchen. Auf rund 150 Metern drängt sich eine der höchsten Dichten an schwulen Bars in Deutschland. Begrenzt wird das Dreieck etwa von Schaafenstraße, Rudolfplatz und Mühlenbach.
Die bekanntesten sind Berlin-Schöneberg, das Münchner Glockenbachviertel, das Kölner Bermudadreieck, Hamburg-St. Georg und das Frankfurter Viertel rund um die Alte Gasse. Jedes hat einen eigenen Charakter, von der lauten Großstadtszene bis zum überschaubaren, fast dörflichen Kiez.
Die großen CSD-Termine liegen meist zwischen Juni und Juli. Der ColognePride in Köln ist mit über einer Million Besuchern Europas größter CSD, und der Münchner CSD findet seit 1980 statt. In der Woche davor feiert Köln zusätzlich das Schaafenstraßenfest direkt im Viertel.
Ein gutes Szeneviertel zeichnet sich durch kurze Wege aus: Bars, Cafés und Treffpunkte liegen fußläufig beieinander und sind gut an den Nahverkehr angebunden. Am einfachsten startet man in einem bekannten Café oder Community-Zentrum vor Ort, wo Flyer und Gespräche zeigen, was am Abend läuft.
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