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Die PrEP schützt zuverlässig vor HIV und ist seit 2019 Kassenleistung. So bekommst du das Rezept, das sind die Voraussetzungen, und so wenig zahlst du selbst.
Wer in Deutschland einen wirksamen Schutz vor HIV sucht, kommt an der PrEP kaum vorbei. Die Präexpositionsprophylaxe ist ein Medikament, das eine Ansteckung zuverlässig verhindert, wenn man es richtig einnimmt. Seit September 2019 zahlt die gesetzliche Krankenkasse dafür – ein wichtiger Schritt, der die PrEP für viele überhaupt erst erschwinglich gemacht hat. Hier erfährst du, wie der Wirkstoff funktioniert, wer Anspruch auf Kostenübernahme hat und wo du das Rezept bekommst.
Was die PrEP ist und wie sie schützt
PrEP steht für Präexpositionsprophylaxe, also Schutz vor einer möglichen Ansteckung. Eingesetzt wird in der Regel eine Kombination aus den Wirkstoffen Emtricitabin und Tenofovir – zwei sogenannte Reverse-Transkriptase-Hemmer. Sie blockieren ein Enzym, das HIV braucht, um sich in menschlichen Zellen zu vermehren. Ist genug Wirkstoff im Körper, kann sich das Virus schlicht nicht festsetzen.
Bei korrekter Einnahme liegt die Schutzwirkung vor einer HIV-Infektion bei über 99 Prozent. Ein Punkt wird dabei gern übersehen: Vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö oder Chlamydien schützt die PrEP nicht. Wer auf Nummer sicher gehen will, kombiniert sie deshalb mit Kondomen und regelmäßigen STI-Tests.
Tägliche oder anlassbezogene Einnahme
Es gibt zwei Wege, die PrEP zu nehmen. Bei der täglichen Variante schluckst du jeden Tag eine Tablette, unabhängig davon, ob und wann Sex ansteht. Dieses Schema ist in Deutschland offiziell zugelassen und passt gut, wenn sexuelle Kontakte regelmäßig vorkommen.
Daneben existiert die anlassbezogene PrEP nach dem Schema 2–1–1:
- Frühestens 24, spätestens 2 Stunden vor dem Sex zwei Tabletten auf einmal.
- 24 Stunden nach der ersten Doppeldosis eine weitere Tablette.
- Noch einmal eine Tablette weitere 24 Stunden später.
Gut zu wissen: Das anlassbezogene Schema wird nur für Analverkehr empfohlen und ist hierzulande formal nicht zugelassen, auch wenn Studien eine vergleichbare Wirksamkeit zeigen. Bespreche die für dich passende Variante mit deiner Ärztin oder deinem Arzt – gerade rund um eine Sexparty oder eine Reise lohnt sich diese Frage.
Wer Anspruch auf die Kassenleistung hat
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für Versicherte ab 16 Jahren mit erhöhtem HIV-Risiko. Voraussetzung ist ein negativer HIV-Test vor Beginn, damit niemand unwissentlich eine bestehende Infektion behandelt. Zu den Gruppen mit erhöhtem Risiko zählen unter anderem:
- Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)
- trans* Personen mit entsprechendem Risikoverhalten
- Partner*innen HIV-positiver Menschen, deren Viruslast nicht unter der Nachweisgrenze liegt
- Menschen mit kondomlosem Sex, bei deren Partner*in eine unerkannte HIV-Infektion wahrscheinlich ist
Privatversicherte stehen schlechter da. Anders als bei den gesetzlichen Kassen besteht hier kein automatischer Anspruch – ob die PrEP erstattet wird, hängt vom jeweiligen Tarif ab. Im Zweifel lohnt eine Nachfrage bei der eigenen Versicherung, bevor das erste Rezept ausgestellt wird.
So bekommst du die PrEP
Der Weg zum Rezept läuft über speziell geschulte Ärztinnen und Ärzte, oft in HIV-Schwerpunktpraxen oder Ambulanzen. Eine Hausarztpraxis darf die PrEP nur verordnen, wenn sie dafür qualifiziert ist.
- Such dir eine PrEP-Schwerpunktpraxis oder HIV-Ambulanz in deiner Nähe.
- Lass dich beraten und auf HIV sowie weitere STI testen.
- Bei Eignung erhältst du ein Rezept und kannst mit der Einnahme beginnen.
- Plane die Kontrollen alle drei Monate fest ein – sie sind Teil des Programms.
Eine aktuelle Liste PrEP-verschreibender Praxen führt die Deutsche Aidshilfe. Wenn du ohnehin gerade dein soziales Umfeld erkundest, helfen dir auch lokale Beratungsstellen und queere Vereine und Gruppen bei der Suche weiter.
Was die PrEP kostet
Mit Kassenrezept zahlst du nur die üblichen gesetzlichen Zuzahlungen – in der Praxis rund zehn Euro pro Quartal. Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen, also die HIV- und STI-Tests sowie die Überprüfung der Nierenfunktion alle drei Monate, sind ebenfalls abgedeckt.
Ohne Kassenrezept trägst du die Kosten selbst. Generika liegen inzwischen bei etwa 40 bis 70 Euro pro Monatspackung – deutlich günstiger als zu Beginn, als die PrEP noch mehrere Hundert Euro im Monat kostete. Dass die Preise so gefallen sind, hat den Zugang spürbar verbreitert.
Die regelmäßigen Kontrollen
Die PrEP ist kein Medikament, das man einmal verschrieben bekommt und dann sich selbst überlässt. Alle drei Monate stehen Kontrollen an: ein HIV-Test, Untersuchungen auf andere STI und ein Check der Nierenwerte, weil Tenofovir die Nieren belasten kann. Diese Termine sind verpflichtend und gehören zur Kostenübernahme dazu.
Am Horizont zeichnet sich Bewegung ab. Langzeit-Varianten wie die alle zwei Monate gespritzte PrEP mit Cabotegravir oder das halbjährlich verabreichte Lenacapavir sind in Europa bereits zugelassen. Ob und wann diese Spritzen in Deutschland breit verfügbar und von den Kassen bezahlt werden, hängt allerdings noch von Preis- und Erstattungsverhandlungen ab. Für die meisten bleibt die Tablette vorerst der Standard.
Wer mehr zur queeren Infrastruktur vor Ort sucht, findet bei den Notfallkontakten für LGBTQ+ und über die Gay-Reiseziele und Hotspots weitere Anlaufstellen und Communitys.